Internationaler Museumstag 2017


Unter dem Motto „Spurensuchen. Mut zur Verantwortung“ stand der diesjährige Internationale Museumstag, und setzte damit klar ein Zeichen zur Selbstreflexion für die Museen. Die eigene Geschichte des Museums, der Sammlung, der darin befindlichen Objekte sollte zum Gegenstand der Betrachtung an diesem Tag werden. Begleitet von einer Socialmedia Aktion, die die Besucherinnen und Besucher dazu einladen sollte, diesen Blick hinter die Kulissen, hinter das Offensichtliche einzunehmen und zu vermitteln. Es ist schwierig darauf einzugehen, wie erfolgreich das Thema und insbesondere die social media Aktion war. Dazu können die Organisatoren selbst vielleicht mehr sagen. Problem bei Veranstaltungen wie diesen ist, dass es für viele Museen zu aufwändig ist sich speziell dafür neue Programme oder Angebote auszudenken bzw. zu entwickeln. In der Regel wird etwas Vorhandenes angepasst.

Was tun am Internationalen Museumstag?

Vor dieser Frage stehen also viele Einrichtungen und so auch ich. Ganz frisch an einem Museum, habe ich selbstverständlich den Willen etwas Neues auszuprobieren und nicht auf Bewährtes zurückzugreifen. Die letzte kleine Sonderausstellung im Museum setzte sich mit dem Thema Flucht auseinander und hatte offenbart, dass das Gebäude selbst nach dem Zweiten Weltkrieg eine Notunterkunft für Flüchtlinge war. Eine Geschichte mit der sich das Museum bisher nicht wirklich auseinandersetzte. Das Gebäude wird als herzogliches Jagdschloss erinnert und eben als Museum. Dazwischen liegen rund 180 Jahre Dunkelheit. Damit war das Sujet für eine Spezialführung gefunden: auf Spurensuche nach der Geschichte des Schlosses. An dieser Stelle möchte ich nicht weiter auf die Inhalte eingehen, sondern mehr über den Fortgang des Prozesses erzählen.

Seitdem ich die Stelle angetreten habe, habe ich meine schon vorhandenen Socialmedia Kanäle (Twitter und Instagram) reaktiviert und vereinheitlicht. Ich habe sozusagen mein Profil im Netz geschärft und professionalisiert. Damit standen mir für die Arbeit an dem Projekt „Spurensuchen“ zwei Kanäle zur Verfügung, die ich begleitend bespielen konnte. Meine Idee war, während der Ausarbeitung der Führung meine Follower bereits auf Spurensuche mitzunehmen: in Archive, Depots oder einfach nur unters Dach des Museums.

Und die Zeit davor…

Ich machte also schon die Zeit bis zum Museumstag bereits schon zu einem Teil des Projekts, allerdings eben auf meinen Privatkanälen und eben nicht auf offiziellen Museumskanälen. (Das Museum der Alltagskultur hat [noch] keine Socialmediakanäle, dafür aber das Haupthaus, diese werden von der ÖA bespielt.) Zu diesem Zeitpunkt existierte dieser Blog noch nicht, um meine Posts aber ein bisschen zu sammeln, legte ich eine Geschichte bei storify an. Auch in der Hoffnung einen Spannungsbogen erzeugen zu können. Ich veröffentlichte also in unregelmäßigen Abständen Fotos auf Instagram und Twitter, jeweils mit dem offiziellen Hashtag #spurensuchen zum diesjährigen Internationalen Museumstag. Dies konnten Fotos von Arbeitssituationen sein, oder auch historische Aufnahmen. Dabei habe ich gelernt, dass die Mehrbildfunktion von Instagram ganz gut ist, um Vorher-Nachher Bilder zu posten. Und was habe ich sonst gelernt?

Lessons learned

Ich bin mir sehr unsicher, wie erfolgreich das alles zu bewerten ist. Direkte Resonanz habe ich keine bekommen. Die Likes auf Storify blieben übersichtlich, auch wurde die Geschichte wenig über Twitter o.ä. geteilt. Das lag zum einen sicher daran, dass meine Verbreitungsmöglichkeiten überschaubar sind, zum anderen daran, dass ich mir einen Redaktionsplan hätte geben müssen. Posts blieben zufällig und waren tatsächlich abhängig von meiner Recherchsituation. Wenn ich eine Woche nicht zum Recherchieren kam, dann gab es eben eine Woche keinen Post.

Hilfreich wäre wahrscheinlich auch gewesen, wenn ich das Projekt mir im Vorfeld tatsächlich als Geschichte mit einem Plot und einer bestimmten Bildsprache zurechtgelegt hätte. Ich habe es unterschätzt. Ein Online-Projekt braucht eben auch Planung und kann nicht nebenher laufen. (Ich habe das nicht zum ersten Mal gelernt…). Ich bin mir inzwischen nicht sicher inwiefern Storify ein gutes Medium für eine sich über die Zeit verändernde Geschichte ist: hängt man die neuesten Beiträge unten oder oben an? Wahrscheinlich wäre der Blog, sofern es ihn schon gegeben hätte, das bessere Organ gewesen mit einer Fortsetzungsstory. Was aber noch mehr Planung verlangt hätte.

Es wäre interessant herauszufinden welche Rolle es gespielt hat, dass ich über meine privaten Kanälen kommuniziert habe. Auf der einen Seite kann es das spannend machen (hier schreibt der Chef), andererseits wirkt es auch eher inoffiziell und man kann sich nicht so richtig sicher sein, ob das jetzt wirklich seriös ist. Die Kommunikation über meine Kanäle am Internationalen Museumstag selbst war mir nahezu unmöglich: zu sehr war ich in den Ablauf eingespannt. Da blieb keine Zeit mehr zum Fotografieren oder gar Tippen. Damit war auch keine Kommunikation mit anderen Museen an dem Tag möglich. Generell könnte diese Kommunikation zwischen den Museen noch gestärkt werden.

Quo vadis?

Prinzipiell bin ich aber weiterhin der Meinung, dass SocialMedia Kanäle dann eine besondere Wirkung entfalten, wenn sie inhaltlich betrieben werden und ein klares persönliches Profil haben. Es ist eben nicht der Veranstaltungskalender in 140 Zeichen oder im quadratischen Bild, sondern der persönliche Blick und Zungenschlag des Museumsmitarbeiters/ der Museumsmitarbeiterin, der den Kanal interessant macht. Inwiefern die Follower ihn/sie bei einem Prozess begleiten wollen, sozusagen als Fortsetzungsroman oder vielleicht doch nur einzelne Schlaglichter von Interesse sind, das muss genauer beobachtet werden.

Andererseits muss ich auch viel stärker darauf achten potentielle Besucher_innen in das Projekt einzubinden. Welche Beiträge können sie selber leisten: Problem ist hier, dass es in Waldenbuch wohl nur eine sehr überschaubare Menge an SocialMedia Usern (Twitter, Instagram) gibt. Aber vielleicht hätte sich eine Partizipation auch an dem Thema Notunterkunft orientieren können.

Mich würde interessieren. welche Erfahrungen Ihr mit der Begleitung von Projekten über SocialMedia Kanäle gemacht habt. Was sind erfolgreiche Kanäle, was sind nützliche Tools? Wo seid Ihr gescheitert? Was lief gut?

 

2 thoughts on “Internationaler Museumstag 2017

  1. Hallo Markus,

    gute Frage, welches erfolgreiche Kanäle sind. Ich würde jetzt sagen „kommt drauf an“. Erstmal benötigt man ja eine gewisse Reichweite, um hinterher sagen zu können, es war „erfolgreich“ oder man benötigt genau die richtigen Follower.
    Außerdem kommt es bei Projekten, meines Erachtens, darauf an, ob sie fotogen sind. Sind sie fotogen, würde ich natürlich Instagram vorziehen. Schöne Bilder sind einfach immer gut und erregen eine gewisse Aufmerksamkeit.
    Aktuell begleiten wir bei den Historischen Museen Hamburg die neue Sonderausstellung „Alt-Hamburg – Ecke Neustadt“ im Museum für Hamburgische Geschichte mit einer Instagram-Aktion. Unter dem Hashtag #hamburgscapes sammeln wir Ansichten der Stadt Hamburg, die in der Ausstellung den Ansichten um 1900 gegenüber gestellt werden.
    Bei Aktionen wie Museumstag oder Museumweek lege ich eher den Schwerpunkt auf Twitter, da man ansonsten bei Instagram viel zu viele Bilder in kurzer Zeit posten würde.

    Wie Du merkst, es kommt immer auf die Aktionen und das jeweilige Medium an. Es hängt alles ein wenig voneinander ab. 🙂

    Ich freue mich schon auf Deine nächsten Blogbeiträge!
    Viele Grüße aus Hamburg
    Wera

    1. Hallo Wera,

      Danke für die schnelle Antwort. Mir geht es vor allem um das Thema Projekte mit einem Spannungsbogen, die also eine Geschichte erzählen: der Wissenschaftler, der in die Katakomben des Archivs steigt, etwas Interessantes nach oben befördert, Rückschlüsse zieht und wieder eine neue Entdeckung macht, dann in der Sackgasse landet und zum Schluss was ganz Tolles in die Vitrine stellt, was man dann real anschauen kann. Also so ein Projekt halt….

      Liebe Grüße

      Markus

Und jetzt meine Meinung.

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